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Rebellion in der D.O. Cava

 
27.11.12

Die Bodega Raventós i Blanc verlässt das qualitätsgeprüfte Anbaugebiet D.O. Cava. Es ist die Folge der sprunghaften Geschichte des Getränks Cava während der letzten zwölf Jahre, in denen ihr  internationales Ansehen gesunken ist – nicht aufgrund ihrer Qualität (die definitiv gestiegen ist), sondern aufgrund ihrer Verkaufspreise.

 

Die Marken dieser großen Bodega werden ab sofort nicht mehr die Gattungsbezeichnung "Cava" tragen. Ich schätze, dass hinter den Gründen dieses Unternehmens, die als „Wunsch, freier handeln zu können und die Philosophie von Erde und Anbauland wieder in den Vordergrund zu rücken“ beschrieben werden, auch die Bedeutung des Wortes „Cava“ steckt, das als Schandfleck auf den internationalen Märkten gilt.

 

Es ist der größte Nachteil für renommierte Marken, wenn sie zu einer Herkunftsbezeichnung gehören, die durch eine mengen- und preisorientierte Politik belastet wird, jedoch selber nicht die Kraft noch Fähigkeit besitzt, ihre Qualität zu verteidigen. Eine Qualität, die in den letzten Jahren unvorstellbare Schritte gemacht hat. Bei den Bewertungen im Guía Peñín  haben die Bodegas Gramona, Raventós i Blanc und Recaredo mit zwischen 98 und 96 Punkten immer die Spitze des Rankings angeführt. Nur diese drei Cavas haben eine derartig hohe Bewertung in den letzten 8 Jahren erhalten, während sie von einem ganzen Chor mit über 170 Marken begleitet wurden, die aber auch alle 90+ Bewertungen hatten.

 

Ein Zustand, der seit über 20 Jahren so anhält, während seinerzeit gleichzeitig in den Vereinigten Staaten von Amerika Cava zu einem ernsthaften Konkurrenten von Champagner mutierte – mit einem Preis von 300 Peseten für eine Flasche Cava im Vergleich zu 1200 Peseten für einen prickelnden Franzosen. Heutzutage sind die Unterschiede noch etwas weiter auseinander gegangen und der Konsument zahlt nur 3 € für einen Cava, aber stolze 25 € für einen Champagner. Aber nachdem wir die Preise auf ein peinliches Niveau gesenkt haben, verkaufen wir weniger auf dem amerikanischen Markt. Wir sind nicht mehr der wichtigste Rivale des Champagners. Die Cava-Verkäufe nehmen zugunsten der italienischen Schaumweine wie Prosecco, Franciacorta und Asti weiter ab. Am Ende zeigt sich, dass dieses ganze Debakel aufgrund unserer Unfähigkeit, was Handel angeht, und unserer sprichwörtlichen Abneigung gegen die Italiener entstanden ist. Es hatte nur noch gefehlt, dass die Italiener uns auch noch in dieser Wein-Disziplin überholen. Dies ist ihnen jetzt gelungen.

 

OHNE GEOGRAPHISCHE IDENTITÄT

 

Was die Identität der D.O. Cava angeht, die auf dem Terroir und den klimatischen Besonderheiten basiert, trifft die sehr allgemeine Definition dieses Getränks nicht unbedingt zu. Der größte Widerspruch ist, dass die Cavas, die am meisten mit dem Gebiet verbunden sind und die lokalen Weine nutzen, diejenigen sind, die nicht zu dieser Ursprungsbezeichnung gehören. Ähnliche Beispiele gibt es im El Bierzo und Valdeorras mit Prada a Tope und Roando, die sich auf die Rebsorte Godello konzentrieren, oder auch Antonio Sanz mit seinen Verdejo-Weinen in der Region Rueda sowie andere, an die ich mich nicht erinnere.

 

Bodega Raventos i Blanc

Die Tatsache, dass sich Cava auf so unterschiedliche und weit entfernte Regionen wie Katalonien, Zaragoza, Valencia, Badajoz, Navarra und Rioja erstreckt, verschlechtert erheblich das Konzept der Identität dieses Getränks. Schließlich stehen diese Regionen weder von der Landschaft noch vom Boden her in Zusammenhang, sondern nur aufgrund der einfachen geographischen Lage ihrer Bodegas.

 

Es ist sogar möglich, dass die Weinbasis (vor der zweiten Gärung in der Flasche) von nicht-katalanischen Marken vor allem aus Katalonien stammt. Dies hat eine aufschlussreiche Bedeutung für die Entscheidung der Bodega Raventós i Blanc, die eine Marke in Ehren halten wollen, die mit dem Gebiet verwurzelt ist. In diesem Fall ist es die Conca del Riu Anoia, das Herzstück von 90% der nationalen Cavas.

 

Wir können nicht ignorieren, wer sich dazu entschieden hat, diesen bedeutsamen Schritt zu machen. Es ist der Eigentümer der Bodega, Manuel Raventós i Negre, der ebenfalls Erbe der Cavas Codorniu wäre, hätte sein Urgroßvater nicht 1927 entschieden, mit dieser alten katalanischen Tradition des Vererbens aufzuhören. Der Grund dafür, dass der aktuelle Besitzer im Jahr 1982 mit dem Rest der Familie brach, war seine Meinungsverschiedenheit hinsichtlich der Politik von Codorniu, eine Cava-Linie für das niedrige und mittlere Segment zu fördern. Stattdessen sollten besser die Qualitäten der Marken aus dem neu gegründeten Unternehmen Raventós i Blanc gestärkt werden, die Manuel leitete. Das Merkwürdige ist, dass der gleiche Grund nun Raventós i Blanc dazu bewegt, sich von der D.O. Cava zu trennen.

 

Josep und Manuel Raventos

 

CAVA DE ANOIA

 

Ich erinnere mich, dass sich katalanische Erzeuger als erste in 1986 über den Namen Cava beschwerten, als die D.O. gegründet wurde. Jene nannten ihre Schaumweine Champagner oder Xampany (weniger wegen des Bezugs zu dem französischen Schaumwein als wegen ihrer lautmalerischen Beziehung zu dem Getränk). Eine Begrifflichkeit, die sie erst in den neunziger Jahren angesichts der Durchsetzung des Cavas verbannten. Cava bedeutet Höhle, Dunkelheit, Feuchtigkeit. In diesen Jahren rief jener Chronist, der sich die Theologien der Ursprungsbezeichnungen eingeimpft hatte, einige aus der Regulierungsbehörde dazu auf, die geographische Herkunftsbezeichnung des Cava von Anoia zu verteidigen. Man ging davon aus, dass das Konzept Cava die Art der Zubereitung definierte und sich nicht auf den Ort der Produktion bezog, so wie es heutzutage ist.

 Erschwerend kommt hinzu, dass ein paar Jahre später der Zusatz "nach Champagner-Methode" (méthode champenoise) auf den Flaschen erscheinen durfte. Dies brachte die Franzosen dazu, einen Kampf um den Namen für Schaumwein, die nicht aus der Champagne kommen, anzuzetteln. All dieser Unsinn hat die Bodega Raventós i Blanc dazu gebracht, diese wichtige Entscheidung zu treffen. Es kann sein, dass dies als Abschreckung für einige weitere Weingüter dient. Das Merkwürdige ist, dass dieser Verlauf Parallelen zu der D.O. Jerez  aufweist. Eine Negativentwicklung, die genau dann passiert, wenn beide Wein-Kategorien die beste Qualität in ihrer Geschichte vorweisen können. Ein kafkaeskes Szenario, das so nur in Spanien stattfindet.